Was ist der Marktplatz Lernapps?
Der Marktplatz Lernapps ist eine Initiative des österreichischen Bundesministeriums für Bildung und wird vom OeAD begleitet. Die Grundidee ist einfach: Schulen sollen digitale Lernangebote nicht mühsam selbst recherchieren, hinsichtlich ihrer Qualität einschätzen und aus unterschiedlichen Budgets finanzieren müssen. Stattdessen steht ihnen ein zentraler Katalog mit Anwendungen zur Verfügung, die zuvor ein standardisiertes Qualitätsprüfungsverfahren durchlaufen haben. Nur Lernapps mit positivem Prüfergebnis werden im Katalog veröffentlicht.
Damit verändert sich vor allem der Zugang zu digitalen Lernmitteln. Digitalisierung in der Schule bedeutet schließlich nicht, möglichst viele Apps zu verwenden. Entscheidend ist, welches digitale Werkzeug für welches pädagogische Ziel eingesetzt wird. Eine Mathematik-App erfüllt eine andere Funktion als ein Sprachlernprogramm, eine Anwendung zur Persönlichkeitsentwicklung oder ein digitaler Prozess zur Berufsorientierung.
Der Marktplatz schafft deshalb einen Rahmen, in dem Schulen unterschiedliche Angebote vergleichen und anschließend schulautonom auswählen können. Die Entscheidung bleibt dort, wo sie hingehört: bei der Schule und damit bei jenen Menschen, die ihre Schüler, ihre pädagogischen Schwerpunkte und ihren konkreten Bedarf kennen.
Die Idee hinter dem Marktplatz
Digitale Bildung funktioniert dann gut, wenn Technik nicht zum Selbstzweck wird. Eine Anwendung kann noch so modern aussehen – wenn sie keinen sinnvollen Platz im Unterricht findet, entsteht daraus wenig Mehrwert. Umgekehrt können gut ausgewählte digitale Angebote Lehrkräfte entlasten, individuelle Lernprozesse unterstützen und Schüler ermöglichen, selbstständiger zu arbeiten.
Der Marktplatz Lernapps soll genau diesen Zugang erleichtern. Nach Angaben des OeAD unterstützt das System Schulen durch einen zentralen Auswahl-, Bestell-, Feedback- und Finanzierungsprozess. Gleichzeitig sollen individualisiertes, selbstgesteuertes und digitales Lernen gefördert werden.
Das ist ein wichtiger Unterschied zu einem klassischen App-Store. Beim Marktplatz Lernapps Österreich geht es nicht darum, dass Schüler selbst irgendeine Anwendung herunterladen. Schulen wählen bewusst aus, welche digitalen Angebote sie in ihren Unterricht integrieren möchten. Dadurch entsteht die Möglichkeit, digitale Tools stärker mit bestehenden Unterrichtskonzepten und Entwicklungszielen einer Schule zu verbinden.
Welche Schulen können teilnehmen?
Am Marktplatz können grundsätzlich Schulen der Sekundarstufen I und II mit einer gesetzlich geregelten Schulartenbezeichnung teilnehmen. Berufsschulen sind ausgenommen, da für sie ein eigenes digitales Angebot vorgesehen ist. Eine gesonderte Anmeldung für den Regelbetrieb ist laut OeAD nicht erforderlich.
Damit richtet sich der Marktplatz an eine sehr breite Gruppe österreichischer Schulen. Je nach Schultyp können die Anforderungen an digitale Lernmittel allerdings völlig unterschiedlich sein. Eine Mittelschule beschäftigt sich möglicherweise intensiv mit Berufsorientierung, während eine AHS andere Schwerpunkte bei Lernorganisation, Sprachen oder Studienorientierung setzt. Berufsbildende höhere Schulen wiederum verbinden Allgemeinbildung mit konkreten beruflichen Kompetenzfeldern.
Genau deshalb ist die schulautonome Auswahl so wichtig. Es gibt nicht die eine Lernapp, die für jede Schule gleichermaßen sinnvoll ist. Schulen können entscheiden, welche Anwendungen zu ihrem Bedarf passen und ob beispielsweise die gesamte Schule, bestimmte Jahrgänge oder einzelne Klassen damit arbeiten sollen.
Wie funktioniert der Marktplatz Lernapps im Schuljahr 2026/27?
Nach der Pilotphase im Sommersemester 2026 startet mit dem Schuljahr 2026/27 der Regelbetrieb. Dabei stehen den Schulen Jahreslizenzen für die ausgewählten Lernapps zur Verfügung. Der offizielle Bestellzeitraum läuft von 1. September bis 25. Oktober 2026.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Schulen erst im September beginnen sollten, sich mit dem Angebot auseinanderzusetzen. Der Katalog für das Schuljahr 2026/27 wurde bereits im Juni veröffentlicht. Schulen können sich daher vor Beginn des Bestellfensters informieren, unterschiedliche Anwendungen ansehen und überlegen, welche digitalen Angebote zu ihren pädagogischen Vorhaben im kommenden Schuljahr passen.
Gerade diese Vorbereitungsphase ist wertvoll. Denn eine gute Entscheidung beginnt nicht mit der Frage: „Welche App nehmen wir?“ Sinnvoller ist die Frage: „Was möchten wir bei unseren Schüler erreichen – und welche Anwendung unterstützt uns dabei?“
26 Euro pro Schüler
Für das Schuljahr 2026/27 steht pro Schüler ein Betrag von 26 Euro zur Verfügung. Das gesamte Schulkontingent wird auf Grundlage der entsprechenden Schüler berechnet und im Warenkorb des Marktplatzes angezeigt. Nach einer Bestellung reduziert sich das noch verfügbare Kontingent entsprechend.
Wichtig ist dabei: Für Schulen entstehen im Rahmen des Marktplatz Lernapps keine Kosten. Die im Katalog und im Warenkorb ausgewiesenen Beträge dienen dazu, das verfügbare Kontingent transparent darzustellen. Die Abrechnung erfolgt zwischen OeAD und den jeweiligen Anbietenden. Auch Zusatz- oder Folgekosten für Schulen, Eltern oder Schüler sind im Rahmen dieser Lizenzen nicht zulässig.
| Bereich | Regelbetrieb 2026/27 |
|---|---|
| Verfügbares Kontingent | 26 € pro Schüler |
| Bestellzeitraum | 1. September bis 25. Oktober 2026 |
| Lizenzdauer | 1. September 2026 bis 31. August 2027 |
| Auswahl | schulautonom |
| Teilnahme | Sekundarstufe I und II, ausgenommen Berufsschulen |
| Kosten für Schulen | keine zusätzlichen Kosten im Rahmen des Kontingents |
| Testzeitraum | 14 Tage ab Auslieferung |
Damit entsteht für Schulen eine interessante Möglichkeit: Das vorhandene Budget kann gezielt auf jene digitalen Angebote verteilt werden, die zum eigenen Schulprofil passen.
Der Bestellzeitraum im Überblick
Der offizielle Bestellzeitraum für das Schuljahr 2026/27 beginnt am 1. September 2026 und endet am 25. Oktober 2026. Die Schule stellt ihre Auswahl über den Warenkorb des Marktplatzes zusammen. Nach erfolgter Bestellung werden die entsprechenden Lizenzen von den jeweiligen Anbietenden bereitgestellt. Laut den Vorgaben des OeAD erfolgt die Auslieferung innerhalb von maximal fünf Werktagen.
Interessant ist auch die vorgesehene Testphase. Schulen können die bestellten Lernapps nach der Auslieferung zunächst 14 Tage testen.
Damit soll die Entscheidung nicht ausschließlich aufgrund einer Beschreibung im Katalog erfolgen. Pädagog können sich ein konkreteres Bild davon machen, wie sich eine Anwendung anfühlt und ob sie zum geplanten Einsatz passt.
Für Schulleitungen und Pädagog lohnt es sich deshalb, den Auswahlprozess frühzeitig zu organisieren. Wer erst kurz vor Ende des Bestellfensters beginnt, verschiedene Anwendungen zu vergleichen, verschenkt einen Teil dieser Möglichkeit zur bewussten Auswahl.
Jahreslizenzen statt kurzfristiger Nutzung
Im Regelbetrieb gelten die bestellten Lizenzen vom 1. September 2026 bis 31. August 2027. Schulen erhalten damit keine kurzfristige Testlösung, sondern können Anwendungen grundsätzlich über ein gesamtes Schuljahr hinweg in ihre pädagogische Arbeit integrieren.
Gerade bei Themen wie Persönlichkeitsentwicklung, Berufsorientierung oder selbstgesteuertem Lernen ist das entscheidend. Entwicklung passiert schließlich nicht in einer einzelnen Unterrichtsstunde. Jugendliche verändern sich, sammeln Erfahrungen, entdecken neue Interessen und überdenken ihre Vorstellungen von Zukunft.
Eine Jahreslizenz eröffnet deshalb die Möglichkeit, digitale Lernangebote nicht als punktuelles Ereignis zu betrachten, sondern als Teil eines längeren Lern- und Entwicklungsprozesses. Statt „Wir machen heute eine App“ kann die Frage lauten: Wie begleitet uns dieses Werkzeug durch das Schuljahr?
Qualität statt unüberschaubarer App-Auswahl
Wer schon einmal nach Lernapps gesucht hat, kennt das Problem: Angebote gibt es mehr als genug. Doch eine schöne Benutzeroberfläche oder eine beeindruckende Funktionsliste sagt noch wenig darüber aus, ob eine Anwendung tatsächlich für den schulischen Einsatz geeignet ist.
Der Marktplatz Lernapps Österreich setzt deshalb auf ein geregeltes Qualitätssicherungsverfahren. Für den Regelbetrieb wurde ein zweistufiger Prüfaufbau vorgesehen. Dabei werden zunächst formale, technische und inhaltlich-fachliche Kriterien geprüft. Anschließend folgt eine pädagogisch-didaktische Bewertung durch evaluierende Lehrpersonen. Auch der Bezug zu österreichischen Curricula spielt dabei eine Rolle.
Damit erhalten Schulen eine wichtige Vorauswahl. Das ersetzt natürlich nicht die pädagogische Entscheidung vor Ort. Eine qualitätsgeprüfte Anwendung kann hervorragend sein und trotzdem nicht zum aktuellen Bedarf einer bestimmten Schule passen. Qualitätssicherung und schulautonome Auswahl ergänzen einander deshalb.
Wie Lernapps geprüft werden
Der Prüfprozess orientiert sich an Erfahrungen aus dem österreichischen Gütesiegel Lern-Apps und wurde für den Marktplatz weiterentwickelt. Dabei geht es nicht ausschließlich darum, ob eine Anwendung technisch funktioniert. Berücksichtigt werden auch pädagogische und didaktische Aspekte sowie potenziell zu erwerbende Kompetenzen mit Bezug zu den österreichischen Lehrplänen.
Das ist wichtig, weil digitale Bildungsangebote einen besonderen Vertrauensvorschuss benötigen. Schulen arbeiten mit Kindern und Jugendlichen. Datenschutz, technische Zuverlässigkeit und pädagogische Qualität dürfen deshalb nicht erst dann zum Thema werden, wenn bereits hunderte Schüler mit einer Anwendung arbeiten.
Die Qualitätsprüfung schafft einen gemeinsamen Mindeststandard. Für Pädagog bedeutet das: Sie müssen nicht jede Anwendung von Grund auf selbst prüfen. Stattdessen können sie ihre Energie stärker in jene Frage investieren, die pädagogisch viel wichtiger ist: Wie setzen wir das Angebot sinnvoll ein?
Warum die pädagogische Qualität entscheidend ist
Eine App kann Informationen vermitteln. Sie kann Aufgaben stellen, Ergebnisse dokumentieren und individuelle Lernwege ermöglichen. Was sie jedoch nicht automatisch kann, ist guten Unterricht erzeugen.
Stellen wir uns eine hochwertige Lernapp wie ein sehr gutes Werkzeug vor. Ein guter Hammer baut noch kein Haus. Erst die Person, die weiß, wann und wie sie ihn einsetzt, macht daraus einen Teil eines gelungenen Bauprozesses. Bei digitalen Lernmitteln ist es ähnlich.
Deshalb sollte die Diskussion über den Marktplatz Lernapps Österreich nicht bei Funktionen und Preisen enden. Die spannendere Frage lautet: Wie verbinden wir digitale Anwendungen mit Reflexion, Austausch, Feedback und professioneller Begleitung?
Was bedeutet der Marktplatz Lernapps für Pädagog?
Für Lehrkräfte kann der Marktplatz eine echte Erleichterung darstellen. Statt sich durch unzählige Angebote im Internet zu arbeiten, steht ein zentraler Katalog qualitätsgeprüfter Anwendungen zur Verfügung. Gleichzeitig bleibt die Entscheidung darüber, welche digitalen Angebote eingesetzt werden, bei der Schule.
Damit entsteht aber auch eine neue Aufgabe. Denn mehr Auswahl bedeutet nicht automatisch mehr Orientierung. Wenn zehn gute Anwendungen zur Verfügung stehen, muss immer noch entschieden werden, welche davon zum Unterricht, zur Altersgruppe und zum pädagogischen Ziel passt.
Ein sinnvoller Auswahlprozess beginnt deshalb beim Bedarf. Wo erleben wir im Unterricht Herausforderungen? Wo wünschen wir uns mehr Individualisierung? Welche Prozesse würden wir gerne kontinuierlicher begleiten? Wo könnte eine digitale Anwendung Lehrkräfte entlasten, ohne die persönliche Beziehung zu Schüler zu ersetzen?
Digitale Tools sollen Lehrkräfte unterstützen
Gerade bei digitalen Bildungsangeboten entsteht manchmal der Eindruck, Technologie solle Aufgaben von Pädagog übernehmen. Das greift zu kurz.
Ein gutes digitales Tool kann strukturieren, dokumentieren, Impulse geben und individuelle Bearbeitung ermöglichen. Die pädagogische Beziehung kann es nicht ersetzen. Und das sollte auch nicht das Ziel sein.
Besonders deutlich wird das bei Themen wie Berufsorientierung und Persönlichkeitsentwicklung. Ein digitales System kann Jugendliche dabei unterstützen, ihre Interessen zu reflektieren, Stärken sichtbar zu machen oder berufliche Möglichkeiten zu erkunden. Die Bedeutung dieser Erkenntnisse entsteht aber häufig erst im Gespräch: mit Pädagog, Eltern, Coaches oder anderen Bezugspersonen.
Technologie kann diesen Prozess vorbereiten und strukturieren. Der Mensch gibt ihm Tiefe.
Die Anwendung allein macht noch keinen guten Unterricht
Eine der größten Chancen des Marktplatzes liegt deshalb nicht nur darin, neue Anwendungen verfügbar zu machen. Er kann auch einen Anlass schaffen, innerhalb von Schulen über den didaktisch sinnvollen Einsatz digitaler Werkzeuge zu sprechen.
Wann arbeiten Schüler selbstständig? Wann reflektieren sie gemeinsam? Welche Ergebnisse werden im Unterricht aufgegriffen? Welche Rolle übernimmt die Lehrperson? Wie lässt sich eine digitale Anwendung mit bestehenden Unterrichtseinheiten verbinden?
Diese Fragen entscheiden letztlich darüber, ob aus einer Lizenz echter pädagogischer Mehrwert entsteht. Digitalisierung gelingt nicht dann, wenn möglichst viele Apps verwendet werden. Sie gelingt, wenn digitale Werkzeuge dort eingesetzt werden, wo sie Lern- und Entwicklungsprozesse sinnvoll unterstützen.
Berufsorientierung digital begleiten
Ein Bereich, in dem digitale Anwendungen besonders viel Potenzial haben, ist die Berufsorientierung in der Schule. Jugendliche stehen heute vor einer enormen Zahl an Bildungs- und Berufsmöglichkeiten. Informationen darüber sind überall verfügbar. Trotzdem fällt vielen die Entscheidung schwer.
Das klingt zunächst paradox. Wenn mehr Informationen vorhanden sind als jemals zuvor, müsste Orientierung doch leichter werden. In der Praxis erleben wir häufig das Gegenteil: Mehr Möglichkeiten können auch mehr Unsicherheit erzeugen.
Denn die entscheidende Frage lautet nicht nur: Welche Berufe gibt es? Jugendliche brauchen zuerst eine Vorstellung davon, wer sie sind, was sie interessiert, was sie gut können und was ihnen in ihrem zukünftigen Leben wichtig ist.
Warum Berufsorientierung mehr als ein Berufstest ist
Klassische Berufsorientierung beginnt häufig mit einer naheliegenden Frage: „Was möchtest du einmal werden?“ Für viele Jugendliche ist genau diese Frage aber zu groß.
Bevor Jugendliche einen konkreten Beruf auswählen können, brauchen sie Orientierung über sich selbst. Welche Tätigkeiten machen mir Freude? Wo liegen meine Stärken? Welche Werte sind mir wichtig? Möchte ich mit Menschen arbeiten, gestalten, analysieren, organisieren oder etwas ganz anderes tun?
Berufsorientierung sollte deshalb nicht nur aus Berufsinformation und einem abschließenden Test bestehen. Sie kann als Prozess verstanden werden, der Jugendliche dabei unterstützt, ein immer klareres Bild von sich selbst und ihrer möglichen Zukunft zu entwickeln.
Digitale Werkzeuge können hier eine wichtige Rolle spielen – vor allem dann, wenn sie nicht versuchen, Jugendlichen eine fertige Antwort zu geben, sondern Reflexion ermöglichen und einen längeren Orientierungsprozess strukturieren.
TalentLoop Career am Marktplatz Lernapps Österreich
Mit TalentLoop Career steht auch ein digitaler, stärkenorientierter Berufsorientierungsprozess für Schulen zur Verfügung. Die Anwendung begleitet Jugendliche von der Reflexion über Stärken, Interessen und Werte über die individuelle Laufbahnkonstruktion bis hin zur konkreteren Bildungs- und Berufsentscheidung und zur Bewerbungsvorbereitung.
Dabei geht es bewusst nicht darum, Jugendlichen nach wenigen Fragen einen vermeintlich perfekten Beruf vorzuschlagen. Der Ausgangspunkt ist ein anderer: Jugendliche sollen sich selbst besser kennenlernen und auf dieser Grundlage Möglichkeiten erkunden und Entscheidungen entwickeln.
Für Schulen in Österreich ist TalentLoop Career im Regelbetrieb über den Marktplatz Lernapps verfügbar. Nach den aktuellen Informationen von TalentLoop ist die Anwendung vollständig durch das am Marktplatz verfügbare Budget gedeckt.
Damit kann Berufsorientierung über einen längeren Zeitraum begleitet werden. Ergebnisse bleiben dokumentiert und können wieder aufgegriffen werden. Das ermöglicht es Pädagog, Gespräche stärker an den individuellen Erkenntnissen der Jugendlichen auszurichten.
So können Schulen den Marktplatz sinnvoll nutzen
Die vielleicht größte Versuchung bei einem neuen digitalen Angebot lautet: möglichst viel ausprobieren. Doch genau das muss nicht die beste Strategie sein.
Ein begrenztes Kontingent zwingt Schulen gewissermaßen zu einer hilfreichen Frage: Was brauchen wir wirklich? Statt möglichst viele Anwendungen einzukaufen, kann es sinnvoller sein, wenige Tools auszuwählen und diese konsequent in den Unterricht zu integrieren.
Eine Schule könnte beispielsweise zuerst jene Bereiche identifizieren, in denen digitale Unterstützung besonders hilfreich wäre. Anschließend werden passende Anwendungen gesucht, getestet und gemeinsam im Kollegium bewertet. Dadurch wird aus einer Einkaufsentscheidung eine pädagogische Entscheidung.
Nicht möglichst viele Apps, sondern passende auswählen
Der Marktplatz Lernapps ist kein Wettbewerb darum, wer das größte digitale Werkzeugset besitzt. Eine Schule mit drei konsequent eingesetzten Anwendungen kann einen wesentlich größeren Nutzen erzielen als eine Schule mit zehn Apps, die kaum jemand kennt.
Deshalb lohnt sich vor der Bestellung ein kurzer interner Prozess. Welche pädagogischen Herausforderungen möchten wir bearbeiten? Welche Klassen sollen profitieren? Welche Lehrkräfte arbeiten damit? Wie wird die Anwendung in den Unterricht eingebettet? Und woran würden wir nach einigen Monaten erkennen, dass sie tatsächlich einen Mehrwert schafft?
Gerade weil Schulen schulautonom entscheiden können, eröffnet der Marktplatz hier Gestaltungsspielraum. Das Kontingent kann auf unterschiedliche Lernapps verteilt werden. Es können auch nur einzelne Klassen oder Jahrgangsstufen teilnehmen.
Diese Flexibilität ermöglicht es Schulen, klein zu beginnen und bewusst Schwerpunkte zu setzen.
Vom digitalen Tool zum pädagogischen Prozess
Der entscheidende Schritt passiert nach der Bestellung. Dann zeigt sich, ob eine Lernapp lediglich vorhanden ist oder tatsächlich genutzt wird.
Ein sinnvoller Einsatz braucht einen Platz im Unterricht. Pädagog sollten wissen, warum Schüler mit einer Anwendung arbeiten, was davor passiert und wie Ergebnisse danach aufgegriffen werden. Gerade bei reflexiven Themen ist dieser Transfer entscheidend.
Nehmen wir die Berufsorientierung als Beispiel. Jugendliche beschäftigen sich digital mit ihren Interessen. Danach kann im Unterricht darüber gesprochen werden, welche Tätigkeiten dahinterliegen, welche Muster sichtbar werden und welche Berufsfelder dazu passen könnten. In einem späteren Schritt werden Fähigkeiten, Werte oder gewünschte Arbeitsumgebungen ergänzt.
So entsteht kein isolierter Online-Test, sondern ein Lernprozess. Genau darin liegt das Potenzial digitaler Bildungsangebote: Sie können individuelle Reflexion und gemeinsames Lernen miteinander verbinden.
Was Schulen jetzt tun können
Der Bestellzeitraum beginnt am 1. September 2026. Schulen müssen jedoch nicht bis dahin warten, um sich vorzubereiten. Der Katalog ist öffentlich einsehbar und ermöglicht es, bereits vor dem Start des Bestellfensters unterschiedliche Anwendungen kennenzulernen.
Sinnvoll ist es, zunächst zwei oder drei konkrete Entwicklungsfelder zu definieren. Vielleicht soll selbstständiges Lernen stärker gefördert werden. Vielleicht braucht die Schule eine bessere Struktur für Berufsorientierung. Vielleicht geht es um Sprachen, Mathematik oder andere fachliche Bereiche.
Anschließend können passende Angebote verglichen werden. Dabei sollte nicht nur die Funktionsliste betrachtet werden. Mindestens genauso wichtig ist die Frage, wie die jeweilige Anwendung im Unterricht eingesetzt werden kann.
Wer diesen Prozess früh beginnt, kann den Marktplatz Lernapps gezielt nutzen – nicht als digitalen Einkaufskatalog, sondern als Möglichkeit, Unterricht und schulische Entwicklungsprozesse sinnvoll zu ergänzen.
Weitere offizielle Informationen zum Marktplatz stellt der OeAD zum Marktplatz Lernapps bereit. Informationen zu TalentLoop Career und dem Einsatz in der Berufsorientierung finden Sie bei TalentLoop Career.
Fazit
Der Marktplatz Lernapps schafft für Schulen einen neuen Zugang zu digitalen Lernmitteln. Im Schuljahr 2026/27 stehen pro Schüler 26 Euro zur Verfügung, die Schulen schulautonom für qualitätsgeprüfte Anwendungen einsetzen können. Bestellt werden kann von 1. September bis 25. Oktober 2026, die Jahreslizenzen laufen bis 31. August 2027.
Die eigentliche Chance liegt aber nicht allein in diesem Budget. Sie liegt darin, digitale Anwendungen bewusster auszuwählen und stärker mit pädagogischen Zielen zu verbinden.
Denn eine gute Lernapp ersetzt weder Unterricht noch Pädagog. Sie kann aber Struktur schaffen, individuelles Lernen ermöglichen, Entwicklungsprozesse dokumentieren und neue Räume für Reflexion eröffnen.
Gerade in Bereichen wie der Berufsorientierung kann das einen wichtigen Unterschied machen. Jugendliche brauchen nicht einfach mehr Informationen über Berufe. Sie brauchen Gelegenheiten, sich selbst besser kennenzulernen und daraus Schritt für Schritt ihre eigene Zukunft zu gestalten.
Wenn digitale Werkzeuge genau dabei unterstützen, wird aus Digitalisierung mehr als Technik. Dann wird sie zu einem Werkzeug für Orientierung, Selbstständigkeit und persönliche Entwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Hier ein Überblick von häufig gestellten Fragen rund um das Thema Studienwahl:
Der Marktplatz Lernapps ist eine Initiative des Bundesministeriums für Bildung, die vom OeAD begleitet wird. Schulen der Sekundarstufen I und II können dort aus einem Katalog qualitätsgeprüfter digitaler Lernangebote auswählen. Die Auswahl erfolgt schulautonom.
Im Regelbetrieb des Schuljahres 2026/27 stehen 26 Euro pro Schüler zur Verfügung. Das jeweilige Schulkontingent wird anhand der entsprechenden Schüler berechnet und im Bestellsystem angezeigt. Für Schulen entstehen im Rahmen des Marktplatzes keine zusätzlichen Kosten.
Der Bestellzeitraum läuft von 1. September bis 25. Oktober 2026. Die bestellten Jahreslizenzen gelten vom 1. September 2026 bis zum 31. August 2027.
Ja. Die Auswahl erfolgt schulautonom. Schulen können entscheiden, welche Lernapps zu ihren pädagogischen Zielen passen und ob beispielsweise einzelne Klassen, Jahrgänge oder größere Teile der Schule damit arbeiten sollen.
Ja. TalentLoop Career ist für Schulen in Österreich über den Marktplatz Lernapps verfügbar. Die Anwendung unterstützt einen strukturierten Berufsorientierungsprozess, bei dem Jugendliche unter anderem ihre Stärken, Interessen und Werte reflektieren und daraus schrittweise Perspektiven für Ausbildung, Studium und Beruf entwickeln.